Mit dem Zug nach Italien: München, Teil 2

Nach dem Anreisetag beginnt der erste volle Tag in München erstmal mit Aufwachen im Hotelzimmer, wo ich gemütlich im Bett recherchiere, was wir denn heute machen können. Denn so akribisch ich Zugfahrten, Unterkünfte und die allgemeine Reiseroute geplant habe: Was man vor Ort dann genau macht, lasse ich gerne auf mich zukommen. Ich reise eher nicht mit einer Checkliste an, was ich in Ort X alles gesehen und gemacht haben „muss“, auch wenn ich total verstehe, dass auch das seinen Reiz hat, wenn man möglichst viel rausholen möchte aus einem Aufenthalt. Aber da ich sowieso nie sagen kann, ob ich an einem Tag viel Energie oder wenig habe, ob ich Menschenmengen ertrage oder das gar nicht geht, oder ob ich womöglich den ganzen Tag mit Migräne im Bett liege, neige ich eher nicht zu festen Plänen oder vorher gekauften Eintrittskarten.

Ich stelle jedenfalls fest, dass die nächstgelegene Straßenbahn günstig bis zum Schloss Nymphenburg durchfährt, wo es nicht nur den Schlosspark, sondern auch den botanischen Garten gibt. Da draußen auch die Sonne scheint, klingt das nach einem guten Plan. Vorher gehen wir allerdings noch zu einem kleinen Café für einen Cappuccino zum Wachwerden und ein Croissant zur Stärkung. Dann fahren wir bis zur Haltestelle vom Schloss Nymphenburg und folgen den nicht wenigen anderen Menschen Richtung Schloss. Dort hat sich ein Reiher gerade sehr fotogen auf die Wiese gestellt:

Foto, das im Hintergrund das Schloss Nymphenburg in München zeigt, darüber blauer Himmel mit Wolken. Davor eine Wasserfläche, in der sich der Himmel spiegelt, wiederum davor ein Graureiher auf einer Rasenfläche.

Aber auch etliche Gänse, Enten und Schwäne tummeln sich fotogen in den Schloss…gewässern, wie auch immer man sie nennt. Das Schloss selbst besichtigen wollen wir nicht, deswegen gehen wir durch in den Park. Der ist wirklich ausgeschlossen prachtvoll und außerdem riesig, in der Mitte gepflegter Rasen und Blumenbeete und Marmorstatuen, abseits davon kann man durch schattige Wäldchen spazieren und findet immer wieder Wasserläufe, kleinere Gebäude und Bänke zum Ausruhen. Ersichtlich gab es in der Vergangenheit keine Finanzierungsprobleme beim Erbauen von allerlei Statuen und Ziergebäuden, wie beispielsweise diese Pan-Figur am idyllischen Wasserfall.

Foto einer Pan-Statue im Schlosspark Nymphenburg, im Hintergrund Bäume, lilnks Steine und ein Wasserfall.

Wir flanieren ausgiebig durch den Park, schauen auch mal im Parkcafé vorbei, aber die meterlange Schlange des Selbstbedienungstresens schreckt uns ab. Stattdessen gehen wir direkt weiter zum Hintereingang des botanischen Gartens, der direkt vom Park abgeht. Dort kann man, wenn man mit Karte zahlt, ebenfalls ein Ticket bekommen. Es dauert erstaunlich lange, bis die fünf Leute vor uns ihr Ticket gekauft haben, aber dann sind wir drin und orientieren uns kurz, bis wir dann fasziniert durch die Beete mit den Nutzpflanzen aller Art wandern: Färbepflanzen, Ölpflanzen, Gemüsepflanzen, Kräuter, und auch die spannende Mischung aus Heil- und Giftpflanzen:

Foto von mehreren Pflanzen in einem Beet, dazwischen ein Schild: "Medizinal- und Giftpflanzen"

Der gebotene Abstand zu den Pflanzen ist auf den schmalen Wegen gar nicht immer so leicht einzuhalten, während wir Tollkirschen, Schierling und anderes bestaunen. Auch die Küchenkräuter wie Rosmarin, Beifuß oder Thymian erreichen hier unglaubliche Ausmaße, mit denen unsere Terrassentöpfe längst nicht mithalten können. Ein paar Beete weiter leuchten riesige Kürbisse orange zwischen den Ranken auf. Wir verlassen den Nutzpflanzenbereich, aber eigentlich könnte man allein hier schon Stunden verbringen. Allerdings: Die Croissants sind eine Weile her, wir teilen uns einen Flammkuchen vor dem Café und trinken durstig eine Holunderblütenschorle.

Danach geht es weiter, wir gehen zum Alpinum, wo auf künstlich aufgeschütteten Hügeln aus Stein Bergpflanzen aus der ganzen Welt wachsen, zwischen denen Eidechsen herumflitzen. Dahinter folgen verschiedene Bäume, Pflanzen der Arktis, in einer anderen Ecke gibt es einen Bereich, in dem alle Pflanzen nach Pflanzenfamilien sortiert und angeordnet sind. Auch das ist total spannend und man könnte sich das alles stundenlang ausgiebig ansehen … wenn es nicht schon 16 Uhr wäre und die Füße langsam schlapp machten. Wir schlendern noch durch so viele Bereiche wie möglich und arbeiten uns langsam zum Haupteingang vor, wo es noch mehrere wunderschöne und riesige Blumenbeete in verschiedensten Farben gibt. Die verschiedenen Gewächshäuser und die Sonderausstellung zu koreanischer Blumenkunst lassen wir schweren Herzens ganz aus. Ich denke mir, dass ich hier locker einen gesamten Tag verbringen könnte und gern noch einmal wiederkommen würde.

Wir fahren mit der Straßenbahn zurück zur Haltestelle Schloss Nymphenburg, denn dort haben wir ein Lokal mit Biergarten gesehen, das einen guten und typisch bairischen Eindruck machte. Da wir etwas vor der typischen Abendessenszeit sind, kriegen wir trotz Sonntag und Sonnenschein einen Tisch und ich esse sehr leckere Käsespätzle, zum Nachtisch teilen wir den ebenfalls sehr guten Kaiserschmarrn.

Foto von einem Teller Kaiserschmarrn mit Puderzucker drauf und Obst-Deko

Danach gondeln wir zurück ins Hotel. Wir haben das Schild rausgehängt, dass in unserem Zimmer nicht geputzt werden muss (warum auch, nach nicht mal 24 Stunden), später merken wir, dass trotzdem jemand da war, um eine neue Flasche Wasser zu bringen. (Eigentlich ja gut, nur dass ich dann gerne noch mal gelüftet hätte, aber das Detail fiel eben erst später auf.)

Wir ruhen uns aus, bis die Füße nicht mehr ganz so weh tun, dann fahren wir mit der Straßenbahn nochmal zum Stachus und laufen von dort aus weiter durch die Innenstadt Richtung Isartor. Die Sonne geht gerade unter, ich mache Fotos von alten Münchner Gebäuden vor Baukränen, denn die Innenstadt wird wirklich ausführlichst erneuert offenbar. In einem Teppichladen kann man einen handgewebten Teppich kaufen, der ein Portrait von Franz Beckenbauer zeigt. Ein paar Meter weiter gibt es einen Aufsteller von Greenpeace, der die Zahl der für die bayrischen Klimaziele nötigen Windräder mit den tatsächlich genehmigten und gebauten vergleicht, das Ergebnis ist ungefähr so, wie man es sich in einem CSU-Land vorstellt. (104 pro Jahr nötig, 4 bisher in 2025 gebaut.)

Am Isartor steigen wir wieder in unsere nun schon vertraute Straßenbahnlinie und fahren zurück zum Hotel. Das Fitnessarmband verkündet knapp 20.000 gelaufene Schritte und dementsprechend erschöpft fallen wir ins Bett.

Am nächsten Morgen planen wir, den nötigen Kaffee direkt mit einem Frühstück zu verbinden, ich habe mir sogar schon ein Café dafür ausgesucht, von dem ich mal gelesen habe und das gut klingt. Als wir ankommen, ist allerdings in der Straße eine recht laute Baustelle und der Kellner vertreibt uns unfreundlich von den Plätzen im Schatten, die würden – bei nur 1/3 besetzen Außenbereich – für größere Gruppen benötigt. Während wir einen Kaffee trinken, knallt die Sonne derart und es ist so laut und der Blick auf die leeren Schattenplätze, auf denen wir nicht sitzen dürfen, nervt uns so, dass wir keine Lust mehr haben, hier zu essen. Es dauert dann 15 min, bis wir den Kaffee bezahlen dürfen, die Laune ist erstmal im Keller. Wir müssen noch einen Abwassserwagen passieren, der offenbar gerade irgendwelche Dinge aus einem Haus abpumpt, es stinkt bestialisch und wir warten, bis wir außer Riechweite sind, ehe wir nach einem anderen Frühstücksort suchen. Schließlich essen wir in einem anderen Café einen Breakfast Burrito (ich) und ein klassisches Weißwurstfrühstück (der Herr Mitreisende), dazu mehr Cappuccino und eine Saftschorle. Die Stimmung ist gerettet.

Als nächstes besuchen wir das Abgussmuseum, was zum Glück nichts mit dem Abwasserwagen von eben zu tun hat, sondern in dem es Gipsabgüsse von berühmten Statuen gibt. Zum Beispiel können sich Künstler*innen oder Kunststudierende dort die Statuen als Referenzen für Zeichnungen ansehen oder man kann eben Statuen anschauen, deren Originale nicht in München stehen. Außerdem gab es, deswegen waren wir vor allem da, gerade eine Sonderausstellung zum Leben früher Archäologinnen. Diese kann man sich auch virtuell anschauen. Die Ausstellung selbst im Museum war jetzt auch nichts, was man dringend vor Ort sehen musste, da sie aus mehreren großen Texttafeln bestand, die man wirklich ebensogut daheim lesen kann – allerdings gab es noch einen ergänzenden Teil rund um die Archäologin Ingeborg Scheibler, die das Abgussmuseum mit aufgebaut und fast 30 Jahre lang geleitet hat. Außerdem legt das Museum Wert auf Barrierefreiheit, hier gab es beispielsweise eine Hadrian-Büste zum Anfassen und mit Braille-Beschriftung:

Ein Gipsabguss einer Büste von Kaiser Hadrian auf einem Tisch, daneben die Worte "bitte anfassen" in Schrift und Braille-Schrift sowie ein QR-Code zu einem Audioguide

Außerdem gab es QR-Codes zu Audioguides, Bildschirme mit Videos in Gebärdensprache usw. Mehr zu dem Projekt „Antike für alle“ kann man übrigens hier auf der Website des Museums lesen. Darüber hinaus ist das Museum dann auch noch kostenfrei – kann man also gut machen. Natürlich hat München auch noch berühmtere Kunstmuseen, aber die hatten am Montag zu und ich bin auch leider gar nicht der Mensch, der sich für alte Gemälde begeistern kann. Es hätte sicher auch da etwas gegeben, was ich spannend finde, aber, wie gesagt, nicht am Montag. Von einem Besuch im Technikmuseum haben wir abgesehen, weil es gerade – wie offenbar die ganze Stadt – renoviert wird und Teile der Ausstellung deshalb nicht zugänglich sind.

Wir machen dann noch mal Pause im Hotel. Diesmal ist trotz „bitte nicht putzen“-Schild der Raum gereinigt worden und es wurden neue Handtücher gebracht, ich bin irgendwie genervt, denn wozu das Schild, wenn man es dann doch ignoriert? (Und wirklich kein Mensch braucht meiner Meinung nach für zwei Übernachtungen einen Handtuchwechsel, wenn man nicht gerade in eine Schlammpfütze gefallen oder eine Tüte Saft im Koffer geplatzt ist.)

Danach brechen wir zum letzten Programmpunkt auf: Durch den Englischen Garten laufen und einmal auf den Monopteros hoch. Das schaffen wir sogar einigermaßen zu Sonnenuntergang:

Foto des englischen Gartens in München, man sieht Wiese, Bäume und Wege, der Himmel ist sonnenuntergangig, im Hintergrund sieht man die Stadt anhand von vielen Gebäudedächern und Kränen

Schon krass, dass es so innenstadtnah nicht nur den riesigen Schlosspark, sondern auch noch diesen weiteren riesigen Park gibt. Außerdem sehen wir im Eisbach die Leute, die sich mit der Strömung selbigen heruntertreiben lassen, und an einem Wehr mehrere Surfer. Das sieht alles sehr nach Spaß aus.

Wir essen noch ein letztes Eis, nehmen einen Bus zurück ins Hotel und packen schon mal die Koffer, soweit es möglich ist, denn morgen früh um 9 geht es weiter nach Südtirol.

Wer schreibt hier eigentlich?

Hi, ich bin Lena. Ich lebe in Hamburg und arbeite u. a. als freiberufliche Autorin, Lektorin und Übersetzerin. Mehr zu mir findet ihr auf der Seite Über mich. Ihr könnt euch auch meine Veröffentlichungen anschauen oder euch zu meinen Schreibworkshops informieren.

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