September-Sonntag

Eine kurze Pause vom Urlaubsbericht. So richtig überzeugt bin ich ja immer noch nicht, dass ich es zur Tagebuchbloggerin bringe, immer wenn ich das versucht habe, war ich irgendwann so genervt von meiner eigenen albernen Belanglosigkeit. Andererseits lese ich diese Alltagsberichte bei anderen so, so gern, aktuell schmökere ich z. B. in älteren Beiträgen beim Hambuger Blog-Urgestein Maximilian Buddenbohm, das war meine Urlaubs-Handy-Lektüre, wenn ich gerade mal nicht in ein Buch schauen wollte. Keine Nachrichten, kein Social Media, einfach in einem Blog mal ein paar Jahre zurück reinklicken und sich dann in die Gegenwart lesen, ich habe das schon mehrfach gemacht, auch bei anderen Blogs, die ich gerne lese. Es ist ungemein spannend, tatsächlich.

Wann wird zum ersten Mal vom generischen Maskulinum abgewichen (falls je)? Und in welcher Form? Wann taucht die erste Pandemie-Erwähnung auf? Wann werden Berichte über das Wetter zu mehr als Alltag, weil in ihnen stets die Klimakatastrophe mitschwingt? Wirklich ungemein interessant, und ich lese gerne diese Tagebuchblogs und freue mich über alle davon, die es (noch) gibt. Übrigens auch spannend und erschreckend, wie viele Links ins Leere führen, zu gelöschten Blogs, auch von Leuten, von denen ich weiß, dass sie verstorben sind, zu neu verkauften URLs, die jetzt irgendwelche Produkte anbieten, zu eingestellten Projekten, zu 10 Jahre alten Artikeln in Online-Zeitungen, die trotzdem noch hinter einer Paywall stehen. Man könnte da wissenschaftlich zu arbeiten, denke ich, aber zum Glück muss ich das ja nicht.

Heute ist ein Sonntag, an dem ich ein paar Stunden arbeiten muss, weil die ganze Woche in einem halb kranken Post-Urlaubs-Nebel vorüberzog, einiges erst mal liegen blieb und am Donnerstag noch ein schöner, aber eiliger Korrekturauftrag reinkam, der bis morgen fertig sein muss. Eigentlich versuche ich, trotz Selbstständigkeit nicht am Wochenende zu arbeiten. Vor allem, weil die zweite Person hier im Haushalt sich die Arbeit zwar auch recht frei einteilen kann, aber da Termine, Besprechungen usw. doch Montag – Freitag stattfinden und somit das Wochenende dann gerne doch auch an den beiden dafür vorgesehenen Tagen liegen sollte. Es ist auch ganz gut so, ohne diese Grenzen fange ich oft mit allem zu spät an, dödele herum und arbeite dann bis zu Uhrzeiten, wo mein Gehirn eigentlich gar nicht mehr denken mag.

Heute jedenfalls müssen hier alle noch arbeiten, ich wegen der Deadline, der beste Mitbewohner von allen wegen Urlaubsrückkehr-Vertretungs-nächste-Woche-Konferenz-Stress. Wir waren aber gerade eine Runde um den Block, haben die Abstimmungen für die beiden Volksentscheide in den Briefkasten geworfen, die am bzw. bis zum 12.10.2025 entschieden werden. Es geht einmal um einen schnelleren und sozialeren Klimaschutz in Hamburg und einmal um einen dreijährigen Modellversuch zum Grundeinkommen. Am Vormittag haben wir die Unterlagen und Stellungnahmen dazu gelesen, die den Wahlunterlagen beigefügt waren. Erstaunlich dabei dann durchaus, wie die Grünen sich gegen früheren Klimaschutz aussprechen, in einer gemeinsamen Erklärung mit der SPD, so eine Art Landesregierungsstellungnahme mit dem Inhalt „wir machen doch schon alles richtig, mehr geht ja gar nicht“.

Nach getaner Bürger*innenpflicht dann noch ein Stopp beim Bäcker, etwas Kuchen würde der Sonntagsarbeit jetzt gut tun, finden wir, tragen Käsekuchen mit Rosinen und gedeckten Apfelkuchen nach Hause, kochen einen schwarzen Tee und verziehen uns wieder an den jeweiligen Schreibtisch.

Wer schreibt hier eigentlich?

Hi, ich bin Lena. Ich lebe in Hamburg und arbeite u. a. als freiberufliche Autorin, Lektorin und Übersetzerin. Mehr zu mir findet ihr auf der Seite Über mich. Ihr könnt euch auch meine Veröffentlichungen anschauen oder euch zu meinen Schreibworkshops informieren.

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2 Antworten auf „September-Sonntag“

  1. Jaja, die Grünen, das is auch weiter so eine meine großen Obama-Style-Politik-Enttäuschungen, wie schnell die zur Zweit-SPD geworden sind, das ist schon absurd.

    Mh, das mit dem (Meta-)Tagebuch-Lesen is ja spannend, das habe ich noch nie bedacht, ich schreibe offline auch Tagebuch, allerdings nur eine paar Zeilen, nur sehr selten irgendwas, was von bloßen „Es ist dies und das passiert“-Beschreibungen abweicht. Is aber immer wieder praktisch um Dinge nochmal nachzuschauen (die eins dann aber im Zweifel halt nich aufgeschrieben hat ^__^).

    Lol, ich hab mich Pseudo-Wissenschaftlich mit dem Link-Verfall (Link-Rot is glaub ich echt ein Begriff?) beschäftigt: Bei meinem Design-Studium musste es zu Diplom und Vordiplom „wissenschaftliche“ Arbeiten geben, also längere Texte, die Themen von der jeweiligen Design-Arbeit aufgriffen. Da ich mich bei meinem Vordiplom mit verzweigten (graphischen) Geschichten beschäftigt habe (und ich es sowieso spannend fand) hab ich mich mit der Geschichte des Internets und damit des Hypertexts und des Links beschäftigt. Ich habe das damals (thematisch passend aber sperrig) als Wiki veröffentlicht und dann ca. 10 Jahre später den Versuch unternommen das nochmal als PDF in eine etwas linearere Form zu bringen (aber immer noch mit Links). Das war schon echt krass, wie viel da nicht mehr zugänglich war. Leider habe ich das nie fertiggestellt und ich denke, ich könnte jetzt (wahrsch. wieder zehn Jahre später +__+) nochmal eine neue Edition machen, wo dann sicher 90% der Links nicht mehr gehen.

    Wie auch immer!

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