Mit dem Zug nach Italien: Meran, Teil 2

Nachdem ich einen sehr langen Beitrag zur Reise nach Meran und den ersten anderthalb Tagen dort geschrieben habe, kann ich mich hoffentlich für den Rest des Aufenthalts etwas kürzer fassen.

Der Tag nach unserer Wanderung am Tappeinerweg beginnt mit viel Regen. Zum Glück sind wir ja dank Brötchenservice, Kaffeeautomat im Keller und den schon im Hofladen gekauften Aufschnitt-Dingen bestens versorgt und können gemütlich in der Ferienwohnung sitzen und nach draußen schauen.

Das machen wir dann auch sehr ausführlich, unterbrochen von, hurra, Wäsche waschen: Wir haben festgestellt, dass es im Keller auch eine Waschmaschine gibt, die man gegen eine Gebühr benutzen kann. Und obwohl wir erst 5 Tage unterwegs sind, gibt es doch schon einiges an dreckig gewordenen und durchgeschwitzten Klamotten, sodass wir die Gelegenheit gleich nutzen. Das Trocknen auf dem Balkon wird allerdings später schwerer als gedacht, weil die Luftfeuchtigkeit durch den anhaltenden Regen sehr hoch ist. (Aber bis zur Abreise ist dann doch alles trocken – die hartnäckigsten Sachen habe ich am letzten Abend noch geföhnt.)

Gegen Nachmittag gehen wir zur Bushaltestelle und lassen uns ins Zentrum von Meran chauffieren. Dort gehen wir, da es gerade nicht regnet, ein wenig herum, aber natürlich gehen gerade ungefähr alle Tourist*innen in der Stadt herum, weil niemand bei diesem Wetter irgendwelche Bergwanderungen macht und alle lieber die Stadt besuchen. Wir fliehen vor den Massen, gehen durch ein paar eher abgelegene Straßen und finden dann einen Platz auf einer überdachten Terrasse eines Restaurants. Kalt ist es ja nicht, nur nass. Während es wieder anfängt zu regnen, essen wir etwas – dem Mitreisenden lege ich Schlutzkrapfen ans Herz, denn diese südtiroler Spezialität muss natürlich auch sein, wenn wir schon hier sind. Ich hole derweil beim Tiroler Knödeltrio auf – köstlich.

Danach fahren wir zurück in die Ferienwohnung und verbringen den Abend mit dem einzigen Spiel, das wir dabei haben (ein Kartenspiel namens Sea Salt & Paper, sehr spaßig, wenn man es erst mal verstanden hat) und dem Ebook-Reader. Ich dachte, ich hätte in einem älteren Eintrag schon über meine Urlaubslektüre geschrieben, aber offenbar war das nicht so. Jedenfalls habe ich als erstes Buch „Water Witch“ von Molly O’Neill (dt. von Judith Vogt, Originaltitel: „Greenteeth“) gelesen, eine sehr coole Fantasy-Geschichte mit englischen Mythenfiguren. Danach kam „Unser Deutschlandmärchen“ von Dinçer Güçyeter an die Reihe – tatsächlich eine Empfehlung, die ich aus vielen Blogs mitgenommen habe. Ich kann mich diesen nur anschließen, es ist ein ganz hervorragendes, sprachlich wunderschönes Buch. Inzwischen bin ich bei „Hey guten Morgen, wie geht es dir“ von Martina Hefter angelangt. Ihr wisst schon, das Buch, das 2024 den deutschen Buchpreis gewann und damit die Schimpftiraden eines gewissen männlichen Autors auslöste, der fand, der Preis hätte ihm zugestanden. Auch das Buch lese ich gern, die Geschichte ist sehr leise und schön erzählt. Nachher recherchiere ich ein bisschen zur Autorin und dem Buch und stelle fest, dass der Roman offenbar zu sehr großen Teilen autobiographisch ist. Was ja nicht per se schlecht ist, aber meine Bewunderung für die so gut konstruierte Handlung und Personenkonstellation ist dann irgendwie ein bisschen gesunken. Lesenswert fand ich das Buch aber auf jeden Fall.

Am nächsten Tag soll es ab mittags weniger regnen, und wir brechen gegen 12 Uhr zu einer letzten kleinen Wanderung auf. Nahe der Unterkunft beginnt ein Waalweg, das sind ehemalige Bewässerungswege, die meistens auch relativ ebenerdig sind. Wir gehen los, es beginnt leider bald noch mal zu regnen, immerhin kann ich ausführlich meinen neuen Regenponcho testen. Der das Wasser auch abhält – im Gegensatz zu meinen uralten Turnschuhen. Es stellt sich auch schnell heraus, dass die nicht das richtige Schuhwerk sind für einen von anderthalb Tagen Regenwetter aufgeweichten schlammigen Trampelpfad, bei dem man über behelfsmäßige Brücken balancieren und über Steine klettern muss (Wanderempfehlung so: „leichter Spazierweg, für alle machbar“. Lol.). Nach der Hälfte kommen wir an eine Straße und stellen fest, dass die sinnvollste Möglichkeit ist, von hier an die Straße bergauf bis Schenna zu laufen, von dort fährt ein Bus zurück nach Meran. Der Weg ist steil. Sehr steil. Keine Ahnung, wie viel Prozent Steigung das waren, aber es wird ein Aufstieg voller Pausen, Fluchen und dem Gefühl, dass ich jetzt wirklich gleich nicht mehr weitergehen kann. In Schenna gibt es dann wenigstens schöne Aussicht und was zu essen.

Danach geht es mit dem Bus zurück nach Meran, wo wir noch eine Weile die Tischtennisplatte vorm Haus nutzen und dann noch mal das Naturschauspiel vor dem Fenster genießen, bis es dunkel ist.

Wir packen schon mal beinahe alles ein und essen die Reste aus dem Kühlschrank auf. Denn morgen geht es schon wieder weiter. Next stop: Verona.

Wer schreibt hier eigentlich?

Hi, ich bin Lena. Ich lebe in Hamburg und arbeite u. a. als freiberufliche Autorin, Lektorin und Übersetzerin. Mehr zu mir findet ihr auf der Seite Über mich. Ihr könnt euch auch meine Veröffentlichungen anschauen oder euch zu meinen Schreibworkshops informieren.

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