Gestern war ich wieder meine Lieblings-Statue im Park besuchen. Im Herbst fotografiere ich sie gerne, wie sie in dem Meer aus herabgefallenen Blättern steht.
Der Satz in der Überschrift fällt mir immer dazu ein, seit Jahren schon, jeden Herbst, nach dem unweigerlich der Winter folgt.

Ich stelle mir manchmal vor, wie es wäre, wenn die Statue ein Bewusstsein hätte, wenn sie mitverfolgen könnte, was um sie herum geschieht. Ich weiß nicht, wie viele Jahre sie schon dort steht, aber zumindest seit ich diesen Park besuche, ist sie da, und das sind nun auch schon fast 20 Jahre.
Ich stelle mir vor, wie sie im Herbst die Blätter fallen sieht, um sich herum und bei den Bäumen in ihrem Blickfeld, erst goldrotes Laub, dann nur noch braune Flecken am Boden, die zerfallen, zermatschen, sich auflösen. Wie dann lange nichts passiert, nur Winter, grauer Himmel über braungrauem Gras. Und dann wird es endlich Frühling – auch da ist sie mitten dabei, denn im Frühling steht die Statue in einem Meer aus Krokussen.
Und was sie sonst alles sieht – Spazierende und Jogger, Hunde und Kinder, die gelüftet werden. Im Sommer die planschenden, freudig kreischenden Dreikäsehochs, wenn Wasser ins Planschbecken gelassen wird, die Eltern drum herum, Konzentration am erfrischenden Nass, einer Gnuherde am Wasserloch nicht unähnlich. An den Wochenende die Feiern, wenn der Park zum zweiten Wohnzimmer des Stadtviertels wird und vor allem jene ohne große Wohnung, Garten oder Terrasse dort Pavillons und Picknickbänke aufbauen für Geburtstage und andere Anlässe. Allerlei Sport bekommt sie auch zu sehen, Yoga im Park und Zirkeltrainung und Akrobatik. An den wenigen Tagen im Jahr, an denen es schneit, strömen die Familien mit Schlitten in den Park und suchen die kleinen Hügelchen, auf denen man ein paar Meter nach unten rutschen kann, dazwischen wälzen sich Hunde im Schnee und alle machen Beweisfotos, doch, sogar in Hamburg lag heute Schnee, schaut mal.
Nachts vielleicht die letzten Feiernden oder die, die einen Schlafplatz suchen, dazwischen die Mäuse und Vögel und Ratten und vielleicht ab und zu Kaninchen und Katzen.
Über die Jahre muss sie die Bäume wachsen sehen, die Holzarbeiten, bei denen tote Äste entfernt werden, langsame Veränderungen, für Menschen kaum zu bemerken.
Die Statue sagt nichts zu alledem, sie schaut schweigend auf ihr Reich, sieht alles um sich herum jeden Herbst sterben und in jedem Frühling wieder auferstehen.


Super schön, danke dir!