Mit dem Zug nach Italien: Planung und Vorbereitung

Der Beschluss war also gefasst, der vage Plan, mit dem Zug bis ans Mittelmeer zu kommen, wie gesagt zu schön, um ihn nicht umzusetzen. Nun ging es also an die konkretere Planung.

Als erste Station bot sich München an. Bis dahin sind es von Hamburg aus ungefähr 6 Stunden mit dem Zug, das ist für einen Tag mehr als genug. Außerdem war ich in München noch nie so richtig, um mir die Stadt anzuschauen. Schnell steht also fest: Zwei Nächte in München sind der Anfang.

Danach soll es nach Südtirol gehen. Das kenne ich noch aus Winterurlauben als Jugendliche, aber ich war tatsächlich noch nie im Sommer da. Meine Eltern und meine Schwester hingegen machen dort regelmäßig auch im Frühling oder Sommer Urlaub und schicken immer traumhafte Fotos. Das möchte ich also auch mal. Außerdem sind es von München nach Bozen schon wieder fast 4 Stunden, das reicht dann mit der Anreise zur endgültigen Unterkunft auch an Zugfahrerei. Wir überlegen ein bisschen herum, soll es direkt Bozen sein, oder ein anderer Ort? Wie gut kommt man jeweils hin, wenn man kein Auto zur Verfügung hat? Wie gut ist man vor Ort dann mobil? Wollen wir ein Hotel, eine Ferienwohnung, in der Stadt, eher außerhalb? Am Ende haben wir dann ein bisschen lange gezögert und viele Unterkünfte sind schon weg. Wir entscheiden uns für eine Ferienwohnung auf einem Obsthof in Meran, nicht völlig abgelegen, aber schon etwas weg vom Zentrum. Wie bei sehr vielen Unterkünften in Südtirol erhalten wir automatisch darüber den Südtirol Guest Pass, mit dem wir alle Regionalzüge, Busse und einige Seilbahnen kostenfrei nutzen können, und zwar schon am Anreisetag und auch noch den ganzen Abreisetag. Sehr praktisch – denn so müssen wir die Zugfahrt von Bozen nach Meran und zurück nicht bezahlen. Außerdem kann man auch kostenlos einen Bring- und Abholservice vom Bahnhof zur Unterkunft und zurück in Anspruch nehmen. Wir schreiben eine Mail an die Unterkunft und fragen, wie wir denn vor Anreise schon an diese Guest Passes kommen und erhalten diese kurz darauf per Mail. Man kann sie entweder in Google Wallet hochladen (das tut der Mitreisende) oder sich die Meran-App herunterladen und sie dort aktivieren (das mache ich, da man dort auch gleich noch das Wetter, aktuelle Veranstaltungen und all sowas sehen sowie Öffi-Verbindungen nachschauen kann).

Die nächste Station werden zwei Nächte in Verona – auch wieder eine Stadt, von der ich schon viel gehört habe, in der ich aber noch nie war. Praktischerweise müssen wir – das herauszufinden erforderte allerdings doch einen Deep Dive in die Fahrpläne und Regularien des Südtiroler Verkehrsverbandes – die Fahrt erst ab Trient bezahlen, denn bis dahin greift noch der Südtirol Guest Pass. Bei der Suche nach einem Hotel wählen wir eines, das nicht super nah an der Innenstadt, dafür aber vom Bahnhof aus gut zu Fuß erreichbar ist.

Am meisten Recherche und Überlegungen erfordert dann der Wunsch nach einem Aufenthalt am Mittelmeer. Zuerst dachte ich, man könnte direkt in Genua unterkommen, las dann aber, dass es da mit Baden eher schwierig ist, weil wegen des großen Hafens das Wasser nicht so schön ist. Und generell kann man sich die ligurische Küste jetzt halt nicht wie Sankt-Peter-Ording oder Travemünde vorstellen, da oft nur ein schmaler Streifen ebenes Gebiet zwischen Bergen und Meer liegt, in dem sich dann Ortschaft, Straße, Gleisbett, Hafen und Strand dicht aneinander drängen. Viele Strände sind auch Kieselstrände und viele Abschnitte außerdem Privatstrände, an denen man Eintritt bezahlen muss oder die zu einem Hotel gehören. Ich recherchiere also ein paar Stunden lang zum Thema Strände in Ligurien und schaue mir Orte auf Google Maps an. Eine Unterkunft braucht es ja auch noch und der Ort sollte auch groß genug sein, damit es ein paar Restaurants gibt. Am Ende entscheiden wir uns für Chiavari, das ist eine Stadt, die relativ mittig zwischen Genua und La Spezia liegt. La Spezia kennt man vielleicht als Startpunkt zu einem Ausflug in die berühmten Cinque Terre. Tatsächlich war ich da sogar schon mal, genau zu diesem Zweck, und die Suche nach einem Parkplatz, auf dem der Mietwagen stehen kann, während man mit dem Zug zu den Cinque Terre fährt, war auch Jahre später noch ein überzeugendes Argument dafür, die Reise gleich ganz per Zug zu machen. Aber immerhin: Die Cinque Terre müssen wir nicht mehr dringend besuchen, aber wenn uns doch der Wunsch überkommt, fährt der richtige Zug auch gleich in Chiavari ab. Nach Genua sind es von dort etwa 45 Minuten, wir nehmen uns also vor, auch Genua zu besuchen. Spoiler: Dazu kommt es dann nicht, aber das erzähle ich später.

Zum Schluss bleibt die Rückreise, die wir zum Teil per Nachtzug zurücklegen wollen. Eigentlich gibt es einen Nachtzug von Genua nach München. Uneigentlich lässt dieser sich aber nicht buchen, ich lese irgendwas von Bauarbeiten auf der Strecke. Ich suche weiter und sehe, dass ab Mailand eine Buchung möglich ist. Und Mailand soll ja auch sehenswert sein – warum also nicht noch ein paar Tage dort verbringen. Danach, so der Plan, mit dem Nachtzug zurück nach München, Ankunft gegen 9 Uhr morgens, dann drei Stunden ein bisschen die Füße vertreten und etwas essen, und dann um 12 Uhr mittags von München wieder nach Hamburg.

Soweit der Plan.

Da der Nachtzug am teuersten und auch immer schnell ausgebucht ist, haben wir den zuerst gebucht: Zweierabteil mit Supersparpreis, Mailand nach München. Ebenfalls schnell gebucht, da auch die Deutsche Bahn ja immer teurer wird, je weniger lange man im Vorfeld bucht, wurden die Strecken von Hamburg nach München und zurück. In weiser Vorausicht buchen wir beide als stornierbar, was eine gute Idee war. Denn: Im April kommt eine Mail, dass der gebuchte Nachtzug von Mailand nach München außerplanmäßig bereits in Salzburg endet. Wir schauen nach: Von dort aus müssten wir dann mit Gepäck noch mindestens zwei Stunden in einem Regionalzug weiterfahren. Wenn der dann Verspätung hat, verpassen wir womöglich den Zug nach Hamburg oder müssen von einer ewigen Zugfahrt gleich zur nächsten. Nicht so schön. Außerdem ergibt eine Recherche des Herrn Mitreisenden noch eine Alternative, auf die ich gar nicht gekommen wäre: Von Mailand sind es nur 3,5 Stunden nach Zürich und von Zürich fährt ein Nachtzug direkt nach Hamburg. Statt am Freitagabend wären wir schon am Freitagmorgen wieder daheim. Das klingt besser, wir rufen also die Hotline der ÖBB an. Der Mitarbeiter sagt, wir könnten den ursprünglichen Zug stornieren, da er nicht bis zum Zielbahnhof fährt, er könne das aber nicht für uns machen, genausowenig wie den neuen Zug buchen. Also machen wir alles selbst. Da inzwischen schon April ist, sind die Supersparpreise für den Night Jet alle weg, wir buchen also seufzend für mehr als das Doppelte des ursprünglichen Preises. Dafür können wir rein theoretisch die Fahrt noch stornieren, aber auch das ist nicht so einfach, später dazu mehr.

Auf die Stornierung des ersten Nachtzuges kommt erst mal eine Mail zurück, die die Erstattung ablehnt, da ja das Ticket auch im Regionalzug gelten würde und wir ja dann damit weiterfahren könnten. Wir antworten mit einer Mischung aus juristischer Auffassung und aufrichtiger Perplexität („Ihr eigener Kollege an der Hotline hat uns versichert, wir können stornieren.“), was zum Glück den richtigen Ton trifft. Zwei Stunden später wird die Stornierung bestätigt.

Und damit steht dann auch die endgültige Route, ich habe sie hier mal in einem Bild für euch:

Karte von Süddeutschland, Österreich, Italien, darauf eingezeichnet die Zugverbindungen der Reiseroute: München, Meran, Verona, Chiavari, Mailand, danach geht die Zugverbindung weiter Richtung Zürich und von da aus nach Norddeutschland
Die Reiseroute. Karte von OpenStreetMap, eingezeichnete Zugverbindungen und Ortsnamen von mir, CC-BY-SA 4.0-Lizenz

Am oberen Ende muss man sich dann als Anfangs- und Startpunkt natürlich noch jeweils Hamburg vorstellen, klar.

Wir buchen dann nach dem neuen Nachtzugticket noch schnell die Fahrt von Mailand nach Zürich und stornieren die Rückfahrt von München nach Hamburg. Als letztes stehen noch die Fahrten von München nach Bozen und die in Italien selbst an: Trient bis Verona, Verona bis Chiavari, Chiavari bis Mailand. Hier gibt es nun wieder zahlreiche Optionen, es gibt sowohl bei Trenitalia die Möglichkeit, für einen Festpreis eine bestimmte Anzahl von Reisen an X Tagen in einem Zeitraum Y zu buchen als auch das Interrailticket, das man ja jetzt auch als erwachsene Person kaufen kann, auch da wieder in verschiedenen Optionen mit Fahrten an X Tagen innerhalb von einer Woche, 10 Tagen, einem Monat, usw. Wobei es Einschränkungen gibt wie z. B., dass man nur eine Fahrt aus dem Heimatland hinein oder aus ihm heraus machen kann und im Nachtzug natürlich weitere Zuschläge anfallen, usw. usf. Das endet logischerweise (also: logisch in diesem Haushalt) darin, dass wir irgendwann eine Exceltabelle offen haben, in der wir die passenden Interrail/Trenitaliapass-Kosten mit den Preisen für Einzelbuchungen vergleichen. Am Ende stellt sich heraus, dass es günstiger ist, alles einzeln zu buchen, denn die Fahrten innerhalb von Italien sind alle nicht besonders lang und teuer. Trotzdem cool, dass es die anderen Angebote gibt. Es ist aber alles schon ein bisschen eine Wissenschaft für sich.

Ansonsten zieht die Reise noch einige Anschaffungen nach sich: Ein zweiter Koffer in Handgepäckgröße muss her, alle anderen, die wir haben, sind riesig und unhandlich. Ich kaufe mir einen gut zusammenfaltbaren Regenponcho, damit ich keine Jacke mitschleppen muss, ein paar neue Sommerkleider, einen neuen Badeanzug und zwei Mikrofaserhandtücher, außerdem ein Reisebesteckset und eine Tube Handwaschmittel, denn die Kleidung, die in den Koffer passt, wird keine drei Wochen reichen. Dazu das übliche: Mückenspray, Sonnencreme, After-Sun-Pflege.

Und dann ist noch das Lektüreproblem zu lösen, denn Urlaub heißt für mich auch immer: Endlich Zeit, ganz viel zu lesen. Und genügend Stunden im Zug sind dafür ja auch vorhanden. Allerdings war in den letzten Jahren mein Vorgehen immer so, dass ich einen gigantischen Bücherstapel in eine Klappkiste versenkt habe, die dann in den Kofferraum meines Autos getragen und in der Ferienwohnung wieder raus. Aus dem Stapel habe ich mir dann das ausgesucht, wozu ich gerade Lust hatte, und es war immer genug Auswahl, falls mir ein Buch mal nicht so zusagte. Dieses Vorgehen fällt diesmal aus, deswegen schaffe ich mir einen neuen Ebook-Reader an und melde mich endlich in den Hamburger Bücherhallen an, um dort (vor allem) Ebooks ausleihen zu können. Auch hier treffe ich nicht die optimale Entscheidung, was das Gerät angeht, aber das ist ehrlicherweise einen eigenen Eintrag wert.

Und dann ist irgendwann Ende August, ich packe den Handgepäckskoffer und verstaue dann noch diverse notwendige Dinge (Medikamente, Masken, Wärmepflaster (der halbe Rucksack ist Medizin, ugh), Ladekabel, ein einziges gedrucktes Buch (und das nicht mal für mich!) und allerlei Kleinkram im Rucksack. Wir drucken außerdem alle Zugtickets und Hotelreservierungen aus, was vermutlich mal wieder unter die allgemeine Overpreparedness dieses Haushalts fällt. Gleichzeitig habe ich mir auch die Trenitalia-App installiert, in der alle Tickets für Italien gespeichert sind und in der man auch verfolgen kann, ob Züge Verspätung haben und all sowas. Leider ist die ÖBB von so etwas weit entfernt, man kann das Nachtzugticket nur als Ausdruck vorlegen. Und: Sobald man das PDF abruft und ausdruckt, ist das Ticket nicht mehr stornierbar. Wir überlegen also, ob wir uns darauf verlassen wollen, dass wir das in Mailand im Hotel oder einem Copyshop noch hinkriegen, gehen dann aber das Risiko nicht ein und drucken es zu Hause aus. Auch mit dieser Entscheidung werde ich später hadern, aber dazu dann mehr in einem weiteren Eintrag.

Und hier geht es weiter.

Wer schreibt hier eigentlich?

Hi, ich bin Lena. Ich lebe in Hamburg und arbeite u. a. als freiberufliche Autorin, Lektorin und Übersetzerin. Mehr zu mir findet ihr auf der Seite Über mich. Ihr könnt euch auch meine Veröffentlichungen anschauen oder euch zu meinen Schreibworkshops informieren.

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