Andymonaden, die Anthologie mit Kurzgeschichten zum Roman Andymon von Angela und Karlheinz Steinmüller, ist im Oktober 2025 erschienen und beinhaltet auch einen Text von mir. Ich habe das Buch auf meinen Social-Media-Accounts bei Erscheinen vorgestellt.
Kurz nach Erscheinen der Anthologie, über die ich wirklich glücklich war, weil ich das Projekt und die darin enthaltenen Texte so gut und wichtig finde, stellte sich heraus, dass für das Cover, das von der Grafikerin bensWerk gestaltet wurde, fast alle grafischen Elemente mittels der genKI von Photoshop generiert wurden.
Wer mir schon ein bisschen auf Social Media folgt, weiß vermutlich, dass ich generative KI aus vielen Gründen strikt ablehne. Ich muss die hier nicht wiederholen, ich habe ja einen sehr langen Text dazu geschrieben, den alle kostenfrei auf Tor-Online lesen können (Teil 1 | Teil 2). Für mich war die Nachricht, dass ein Text von mir in einem Buch erschienen ist, das ein zu großen Teilen KI-generiertes Cover hat, sehr unschön und ein ziemlicher Schock. Ich möchte hier kurz darauf eingehen, wie es dazu kam und wie es damit weitergeht.
Ich habe im Juni von Herausgeber Michael Wehren die Verlagsankündigung des Buches bekommen und dabei auch das Cover gesehen. Dazu gab es die Info: „Nach viel Arbeit und Engagement der phantastischen bensWerk, deren Umschlagsgestaltungen (u. a. für Memoranda, Carcosa und Hirnkost) auch für den letzten Kurd-Laßwitz-Preis nominiert waren, sind sie, der Verlag und ich sehr zufrieden mit dem Cover […].“ Ich habe mir daraufhin die anderen Cover von bensWerk angesehen und auch auf Bens Website vorbeigeschaut. (Dort findet sich seit September 2025 ein Text dazu, dass sie teilweise genKI nutzt, im Juni gab es diesen Text noch nicht.) Bei den anderen Covern sah ich nichts, was für mich nach KI-Nutzung aussah. Ich ging also davon aus, dass das Cover ohne Nutzung von generativer KI erstellt wurde.
Hier jetzt der Punkt, der mich im Nachhinein sehr ärgert: Ich habe aber auch nicht nachgefragt, ob das Cover ohne genKI erstellt wurde. Obwohl ich das bei anderen Projekten, an denen ich beteiligt bin (wie Queer*Welten z. B.) regelmäßig tue. Das lag daran, dass Herausgeber Michael Wehren letztes Jahr den oben verlinkten Text (der zuerst im Science-Fiction-Jahr 2024 erschien) in seiner Eigenschaft als Redakteur des Science-Fiction-Jahrbuchs lektoriert hat. Ich ging also davon aus, dass ihm meine ablehnende Haltung zu genKI bekannt ist. Im Nachhinein hat sich im Gespräch mit Michael herausgestellt, dass durch die Vielzahl der Texte, die seitdem über seinen Schreibtisch gegangen sind, mein Artikel nicht mehr so präsent war – das kann ich auch nachvollziehen.
Ich möchte betonen, dass Michael auf meine Mail zum Cover hin sehr schnell reagiert hat, meine Haltung dazu – auch wenn seine eine andere ist – nachvollziehen konnte und sich sofort bemüht hat, eine Lösung zu finden. Wir haben in den Mails auch dazu kommuniziert, dass die Nutzung von genKI in der Zukunft etwas sein sollte, über das bei Beginn eines Projekts ausdrücklich gesprochen wird. Michael hat außerdem mit bensWerk und dem Verlag gesprochen sowie die anderen Autor*innen der Anthologie kontaktiert und sehr schnell angeboten, dass der Verlag ein Statement veröffentlicht, in dem klargestellt wird, dass die Autor*innen nicht (alle) von der Nutzung von genKI wussten. Dieses Statement findet ihr auf der Seite von Memoranda.
Inzwischen ist klar, dass für den Nachdruck der Anthologie, den es erfreulicherweise geben wird, von bensWerk ein neues Cover ohne Nutzung von genKI gestaltet wird. Es wird voraussichtlich irgendwann im ersten Jahresdrittel 2026 erscheinen. Wer also das Buch mit einem anderen Cover bevorzugen würde, kann es dann kaufen. Ich freue mich, dass am Ende diese Lösung gefunden werden konnte.
Ich nehme für mich selbst für die Zukunft mit, dass ich bei Projekten klar und frühzeitig über das Thema genKI kommunizieren werde und lieber einmal zu viel als zu wenig nachfrage. Denn meine Haltung zum Thema bleibt bestehen – ich möchte an Projekten, die genKI nutzen, nicht beteiligt sein. Das Cover der aktuellen Auflage werde ich nicht mehr irgendwo verwenden oder posten, den ursprünglichen Beitrag auf Social Media lasse ich bestehen und werde ihn um einen Disclaimer ergänzen, in dem ich diesen Text hier verlinke.
Vielen Dank an Memoranda und bensWerk für die angedachte Neugestaltung des Covers und an Michael Wehren für die offene Kommunikation und die Suche nach einer Lösung, mit der alle zufrieden sein können. Ich werde auf die Anthologie, wenn die zweite Auflage mit dem neuen Cover erschienen ist, noch einmal verstärkt hinweisen.
